Als Zistersdorf im Sommer baden ging – Bademöglichkeiten von einst

Doch lange bevor der eigene Pool im Garten zum beinahe selbstverständlichen Sommeraccessoire wurde, suchte man in Zistersdorf andere Möglichkeiten, sich an heißen Tagen abzukühlen. Baden bedeutete damals nicht nur Erfrischung und Schwimmenlernen, sondern war für viele Kinder ein kleines Stück Freiheit: Man traf Freunde, verbrachte ganze Nachmittage im Wasser und kehrte erst nach Hause zurück, wenn die Sonne schon tiefer stand.

Heute gibt es solche Orte immer seltener. Private Pools haben viele öffentliche Bademöglichkeiten ersetzt, gleichzeitig sind Freibäder und Badeteiche für Gemeinden aufwendig und teuer zu erhalten. Was früher selbstverständlich zum Sommer gehörte, ist vielerorts verschwunden – geblieben sind die Erinnerungen an unbeschwerte Badetage und die Orte, an denen sie stattfanden.

Doch wo gingen die Zistersdorfer eigentlich baden, noch bevor viele einen eigenen Pool hatten?

Der Schlossteich

Die älteste uns bekannte, offiziell als Badestelle ausgewiesene Möglichkeit war der noch heute bestehende Stadtteich, der früher Schlossteich genannt wurde. Südlich unterhalb des Schlosses gelegen, befindet er sich heute direkt an der Umfahrungsstraße – die allerdings zum Zeitpunkt seiner Entstehung noch gar nicht existierte.

Angelegt wurde der Stadt- bzw. Schlossteich im Jahr 1923, im Zuge der Trockenlegung des südlich der Stadt gelegenen Sumpfgebietes und des Albrechtstales. Schon damals erfüllte er gleich mehrere Funktionen: Im Sommer diente er als Badeteich, im Winter als Eislaufplatz. Von besonderer Bedeutung war zudem die Eisgewinnung. Das im Winter gewonnene Eis wurde von Gasthäusern und anderen Betrieben für ihre Kühlräume benötigt.

Wie viel rund um den Teich einst los war, lässt sich auf historischen Fotografien und Filmen erahnen. Eine Umkleidekabine, Sprungbretter, Stege und eigens angelegte Einstiegsstellen machten ihn zu einer richtigen Badeanstalt – und damit wohl zu einem beliebten Treffpunkt an heißen Sommertagen.

Heute erinnert nur noch wenig an diese Zeit. Der Stadtteich wird längst nicht mehr zum Baden genutzt und von der Gemeinde an den Fischereiverein verpachtet. Die einstigen Badeeinrichtungen sind verschwunden, und auch die Größe des Teiches hat über die Jahrzehnte abgenommen. Geblieben ist jedoch der Ort selbst – und mit ihm ein Stück Zistersdorfer Badegeschichte.

Badende Kinder im Schlossteich am 20. August 1934
Quelle: Topothek

Der Schlossteich im Jahr 1934
Quelle: Topothek

Auch Bootsfahrten auf dem Schlossteich waren äußerst beliebt. Foto um 1935
Quelle: Topothek

Dieses Video von Franz Melcher aus dem Jahr 1936 zeigt den Badespaß im Schlossteich in beeindruckenden bewegten Bildern.

Der Löschteich der Firma Wintershall

1930 ging der Raum Zistersdorf in die Geschichtsbücher ein: Mit der Bohrung „Windisch Baumgarten I“ stieß man erstmals in Österreich auf Erdöl. Was folgte, war ein rascher Aufschwung der Erdölindustrie. In den Jahren danach siedelten sich zahlreiche Ölförderungsunternehmen in der Region an und brachten das „schwarze Gold“ an die Oberfläche.

Eines dieser Unternehmen war die Firma Wintershall aus Nienhagen (Deutschland). Wo sich heute an der Steinbergkreuzung an der B40 im Gebüsch noch Fundamentreste und ein gedeckter Splitterschutzgraben finden, befanden sich einst das Erdölfeld und die Siedlung der Wintershall. Zur Anlage gehörte auch ein Löschteich.

Was ursprünglich der Brandbekämpfung dienen sollte, bekam nach dem Zweiten Weltkrieg eine ganz andere Funktion: Der Löschteich wurde für die Bevölkerung zum Baden freigegeben. Aus Erzählungen wissen wir, dass diese ungewöhnliche Badegelegenheit von den Zistersdorferinnen und Zistersdorfern gerne genutzt wurde. Auch ein erhaltenes Foto erinnert an diese Zeit. Für die Kinder war der Weg zum Löschteich offenbar Teil des Sommererlebnisses – manche machten sich sogar zu Fuß auf den Weg dorthin.

So wurde aus einem unscheinbaren Teil einer Erdölanlage für einige Jahre ein ganz besonderer Zistersdorfer Badeplatz.

Der Löschteich der Firma Wintershall im Juli 1950.
Quelle: Topothek

Das städtische Kinderfreibad in der Badgasse

Nur noch wenige Zistersdorferinnen und Zistersdorfer erinnern sich an eine weitere Bademöglichkeit aus ihrer Kindheit. Für heiße Sommertage gab es in der Badgasse bei der Badeanstalt das sogenannte „Städtische Kinderfreibad“ mit zwei Becken. Auch der Name des Bademeisters ist noch einigen in Erinnerung: Anton Baudinger.

Fotos davon sind leider keine erhalten. Dass diese kleine Badeanlage tatsächlich existierte, belegt jedoch eine noch erhaltene Badeordnung aus dem Jahr 1954. Sie verrät auch, wer dort ins Wasser durfte: Das Baden war ausschließlich schulpflichtigen Kindern und Kleinstkindern gestattet.

Damit war das Kinderfreibad wohl ganz bewusst den jüngsten Zistersdorferinnen und Zistersdorfern vorbehalten – ein kleiner, heute so gut wie vergessener Ort.

Badeordnung aus dem Jahr 1954 für das städtische Kinderfreibad
Quelle: Stadtgemeinde Zistersdorf

Das Freibad

Vor 22 Jahren schloss die bis dahin letzte öffentliche Bademöglichkeit in unserer Stadt für immer ihre Tore: das Freibad Zistersdorf, das von 1959 bis 2004 direkt an der Umfahrungsstraße existierte.

Es umfasste ein Nichtschwimmerbecken und ein Kinderbecken, Umkleidekabinen und einen Kiosk. Auch heute haben noch viele Zistersdorferinnen und Zistersdorfer, aber auch Menschen aus der Umgebung, viele Erinnerungen an wunderschöne Sommertage in diesem Freibad. 

Im Jahr 1957 fasste der Gemeinderat (treibende Kraft war vor vor allem der damalige Vizebürgermeister Ferdinand Reiter) den zukunftsweisenden Beschluss: Zistersdorf bekommt ein Freibad!

Die Zeit schien günstig dafür. Österreich befand sich mitten im wirtschaftlichen Aufschwung der Nachkriegsjahre, und auch Zistersdorf blickte dank der Erdölförderung optimistisch in die Zukunft. Viele Gemeinden investierten damals in moderne Schulen, Sportanlagen und Freibäder – als sichtbare Zeichen des neuen Wohlstands.

Aus dem Gemeinderatsprotokoll vom 7. Juli 1959 lassen sich auch die Eintrittspreise und Öffnungszeiten für die erste Badesaion entnehmen: So bezahlten Erwachsene 3 Schilling und Kinder ab 6 Jahren 1 Schilling für eine Tageskarte. Montag bis Freitag waren die Badezeiten von 12 bis 19:30 Uhr und am Wochenende von 9 bis 19:30 Uhr.

Als Bademeister stellte die Gemeinde Franz Heinz und als Kassadame und gleichzeitig Bedienerin Stefanie Hrabec ein. Der Kiosk wurde von Frau Kühn betrieben. Sie war auch Pächterin des Café Kühn im Schlosspark.

Besucher verzeichnete das Freibad in der ersten Saison insgesamt 3.838.

Ansichtskarte mit dem Freibad Zistersdorf
Quelle: Das alte Zistersdorf, Karl Aumann

Werbung für das Freibad Zistersdorf aus dem Jahr 1963
Quelle: Topothek

Das Freibad vermutlich kurz vor seiner Eröffnung im Jahr 1959. Foto: Friedrich Jahn
Quelle: Topothek

Das Freibad vermutlich kurz vor seiner Eröffnung im Jahr 1959. Foto: Friedrich Jahn
Quelle: Topothek

Das Freibad vermutlich kurz vor seiner Eröffnung im Jahr 1959. Foto: Friedrich Jahn
Quelle: Topothek

Das Freibad vermutlich kurz nach seiner Eröffnung im Jahr 1959. Foto: Friedrich Jahn
Quelle: Topothek

Das Freibad am 23. August 1959
Quelle: Topothek

Quelle: Zistersdorfer Heimatbuch

Im Archiv des Stadtmuseums befindet sich ein echter Schatz: Die ursprünglichen Pläne für das Zistersdorfer Freibad von keinem Geringeren als Friedrich Florian Grünberger.

Dass sich ausgerechnet im Archiv des Museumsvereins diese Entwürfe eines der bedeutendsten österreichischen Bäderarchitekten erhalten haben, macht den Fund zu einer kleinen architekturhistorischen Besonderheit. Solche Originalpläne erzählen nicht nur die Geschichte eines Bauprojekts, sondern zeigen auch, welche Visionen für Zistersdorf in den wirtschaftlichen Aufbruchsjahren der 1950er-Jahre bestanden.

Grünberger galt als einer der bedeutendsten Bäderplaner Europas und trug nicht ohne Grund den Beinamen „Bäderpapst“. Seine Handschrift prägte zahlreiche Hallen- und Freibäder der Nachkriegszeit. In Österreich stammen unter anderem das Floridsdorfer Bad, das Ottakringer Bad, das Dianabad, das Döblinger Bad, das Hallen- und Freibad Hietzing, das Bundessportzentrum Südstadt, das Stadtbad Steyr, das Alpenbad Wattens sowie das Freibad Stockerau von ihm. Auch in Deutschland verwirklichte er bedeutende Projekte, darunter das Strandbad Lörick und das damals als größtes Hallenbad Europas geltende Hallenbad im Zentrum von Düsseldorf. Mit seinem 1967 entwickelten „Europabad“-Konzept setzte Grünberger schließlich neue Maßstäbe im modernen Bäderbau.

Sein Entwurf für das Zistersdorfer „Erholungsbad am Schlossteich“ zeigt eindrucksvoll, wie visionär damals gedacht wurde. Je länger man die Pläne betrachtet, desto mehr spannende Details entdeckt man. Eine Besonderheit ist die futuristisch anmutende Konstruktion auf der Dachterrasse, die wie ein UFO wirkt. Ebenso faszinierend ist die Idee, den Schlossteich harmonisch in die gesamte Anlage einzubinden – ein Konzept, das seiner Zeit weit voraus war.

Die großzügigen Pläne wurden allerdings nie verwirklicht. Wie so oft mussten die ambitionierten Vorstellungen den finanziellen Möglichkeiten weichen. Dem Rotstift fiel so ziemlich jede Idee zum Opfer, bis schließlich nur mehr ein Nichtschwimmerbecken und ein Kinderbecken realisiert und im Sommer 1959 eröffnet wurden.

Die ursprünglichen Pläne für das Freidbad von Friedrich Florian Grünberger
Foto: Karina Goldmann
Quelle: Archiv Stadtmuseum

Die ursprünglichen Pläne für das Freidbad von Friedrich Florian Grünberger
Foto: Karina Goldmann
Quelle: Archiv Stadtmuseum

Die ursprünglichen Pläne für das Freidbad von Friedrich Florian Grünberger
Foto: Karina Goldmann
Quelle: Archiv Stadtmuseum

Die ursprünglichen Pläne für das Freidbad von Friedrich Florian Grünberger
Foto: Karina Goldmann
Quelle: Archiv Stadtmuseum

Heute gibt es in Zistersdorf keine öffentliche Bademöglichkeit mehr. Das gesellschaftliche Leben hat sich verändert. Viele Menschen leisten sich einen Pool und genießen das kühle Nass zuhause. Finanziell ist ein Freibad oder ein Badeteich für eine Gemeinde kaum noch tragbar. Aber die Erinnerungen an die unbeschwerten Sommertage und die Orte, die ein Zusammenkommen mit dem Badespaß verbanden, sind in den Erinnerungen tief verwurzelt. 

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